Oberkirchen

Ein Fachwerkdorf mit Charme

Lebendiges Treiben in einem historisch geprägten Ort

Wo werden die Kinder aus der Pütte gezogen und wo sitzt man an der längsten Theke des Sauerlandes um eventuell im Bermuda-Bier-Dreieck gemütlich zu versacken? Auf diese Fragen gibt es nur eine Antwort: „Oberkirchen im Schmallenberger Sauerland“. Erstmalig urkundlich im Jahr 1244 erwähnt, feiert das „Bundesgolddorf an der Lenne“ im Jahr 2019 sein 775jähriges Dorfjubiläum. Ausgrabungen während Restaurationsarbeiten an der Kirche lassen sogar vermuten, dass der historisch geprägte Ort noch älter ist. Leider existieren darüber keine Unterlagen aus dem Mittelalter, so dass es wahrscheinlich nie richtig geklärt werden kann …weiterlesen

(WOLL-Magazin – Text & Fotos: Heidi Bücker)


 

Die Pütte

Oberkirchen war von 1594 bis Anfang des 19.Jahrhunderts selbstständige Gerichtsstätte. Das Oberkirchener Patrimonialgericht der Freiherren von Fürstenberg hatte das Recht, Urteile über Leben und Tod zu fällen. Historische Stätten erinnern heute noch an diese Zeit. Tafeln auf dem Hexenplatz in der Lüttmecke erinnern an die Hexenverfolgung und in der Galgenstrasse kann man noch den alten Kerker besichtigen. Auf einem Plateau oberhalb der Riemeske zwischen den einzelnen Kreuzwegstationen befindet sich ein Brunnen, auf plattdeutsch „Pütte“ genannt. Hier wurden im Mittelalter die Gerichte abgehalten und während den Versammlungen holte man aus der Pütte das Wasser. Unweit der Richtstätte befindet sich die Galgenstätte, wo damals die Todesurteile sofort vollstreckt wurden.

Die längste Theke des Sauerlandes

Heute gehört Oberkirchen mit 16 denkmalgeschützten Gebäuden zweifellos zu den sehenswürdigsten Ortschaften im Sauerland. Das älteste Gebäude ist neben der St. Gertrudis Kirche das barocke Pfarrhaus aus dem Jahr 1711, das dem heutigen Pastor als Wohnhaus dient. Entlang der Bundesstrasse reihen sich mehrere dieser schmucken, denkmalgeschützten Fachwerkhäuser aneinander. Und auf nur 300 Metern bieten vier gastronomische Betriebe regionale Köstlichkeiten an. Die Bewohner des Ortes sprechen auch gerne von der längsten Theke des Sauerlandes und dem sogenannten Bermuda-Bier-Dreieck. Denn gleich drei der bekanntesten Sauerländer Biersorten fließen hier aus dem Zapfhahn. Sicherlich ist noch nie ein Gast im Oberkirchener Bermuda-Dreieck verschwunden, aber schon so manch einer gemütlich versackt. Und für diejenigen, die hausgemachten Kuchen und frisch aufgebrühten Kaffee bevorzugen, gibt es außerdem noch drei gemütlich eingerichtete Cafés im Ort.

Land- Forst- und Holzwirtschaft

Eines der drei Cafés und eine Kunstschmiede befinden sich in der nahegelegenen „Schwarzen Fabrik“, einem Industriedenkmal aus der frühen Gründerzeit. Der Name „Schwarze Fabrik“ führt auf die Herstellung und Verarbeitung von Holzkohle zurück, die noch bis Mitte der siebziger Jahre in den umliegenden Buchenwäldern geköhlert wurde. In dem anderen Teil des Gebäudes –neben Café und Kunstschmiede- wird heute noch Holzkohle gebrochen und gesiebt und wer gerne grillt, erhält hier die dazu benötigte Grillkohle.
Nach wie vor wird das heimische Handwerk durch die Ver- und Bearbeitung von Holz geprägt. In Oberkirchen befinden sich ein Sägewerk, eine Spedition für Holztransporte, eine Drechslerei, eine Tischlerei und eine Schreinerei. Und auch die Land- und Forstwirtschaft spielen eine wichtige Rolle, das bezeugt der älteste, im Jahr 1824 gegründete Verein „Waldinteressenten Oberkirchen“, ein Zusammenschluss privater Waldbesitzer -die heutige Forstbetriebsgemeinschaft. Mit Unterstützung des Landesbertriebes Wald und Holz NRW bewirtschaften sie die umliegenden Wälder zeitgemäß und vor allem nachhaltig. Denn die Wälder rund um Oberkirchen bieten nicht nur Einkommensmöglichkeiten der Land- und Forstwirte, sondern prägen auch das Landschaftsbild zum Nutzen des Tourismus.  

Tourismus und Vereinsleben

Mehrere Gastgeberbetriebe, Gaststätten und weitere Dienstleistungsanbieter wie Frisöre, eine Gärtnerei mit Blumenladen und ein Feinkostladen, sowie eine Grundschule und Kindergarten sorgen für ein angenehmes Dorfleben. Und nicht nur Einheimische wissen das zu schätzen, sondern auch Gäste verbringen in Oberkirchen einen unbeschwerten Urlaub. Gut gezeichnete Rundwege laden zum Wandern und Radfahren ein und im vergangenen Jahr ist noch eine weitere Attraktion hinzugekommen: „Natur-Erlebnis Hermannsteich“ im idyllischen Hartmecketal. Nach vielen Arbeitsstunden durch fleißige Helfer des Verkehrs- und Dorfvereins und ansässigen Handwerkern erscheint der ehemalige Ententeich in neuem Glanz. An heißen Tagen kann man sich hier durch Schwimmen oder Wassertreten etwas Abkühlung verschaffen.
Weitere Vereine, die das Dorfleben prägen sind der Sportverein, die SGV-Abteilung, der Tambourcorps und Musikverein, sowie der Reiterverein, der in diesem Jahr sein 40jähriges Jubiläum feiert. Und nicht zu vergessen, der zweitälteste Verein, die Schützengesellschaft Oberkirchen 1827 e.V., die jedes Jahr am ersten Wochenende im August ihr dreitägiges Hochfest feiert und damit einen der Höhepunkte des Oberkirchener Dorflebens bildet.

Fazit

Oberkirchen, ein lebens- und liebenswertes Fachwerkdorf mit Charme